Schwertscheide

Bau einer frühmittelalterlichen Schwertscheide in Anlehnung an die Abbildungen im Stuttgarter Psalter.

Wenn wir uns mit den Schwertscheiden des 9. und 10. Jahrhunderts beschäftigen wollen, werden wir sehr bald feststellen, dass die Recherche sich schwierig gestaltet.

In „Studien zur Archäologie Europas“ Band 14 herausgegeben von „Joachim Henning, Achim Leube und Felix Biermann“ gibt es einen Artikel von „Šimon Ungerman“ mit dem Titel „Schwertgurte des 9. bis 10. Jahrhunderts in West- und Mitteleuropa“. Dieser behandelt die Metalfunde und versucht daraus Rückschlüsse auf die Trageweise der Schwerter zu ziehen.

Im Stuttgarter Psalter (ca. aus dem Jahr 830) finden wir auf mehreren Abbildungen Schwerter und Schwertscheiden. Sie sehen alle gleich aus, was die Frage aufwirft, ob die Abbildungen einen, allgemein für diese Zeit gültiges Bild einer Schwertscheide zeigen, oder der Zeichner schlicht nur diese eine Schwertscheide als Anschauungsobjekt hatte und keinen anderen Typ kannte.

Einige Schwertscheiden im Stuttgarter Psalter

Meine Interpretation

Diesen Typ der Schwertscheide aus dem Stuttgarter Psalter habe ich mir als Vorlage für meine Schwertscheide genommen. Ich habe mir ein Abbild aus dem Psalter vorgenommen um es zu bemaßen. Als Längenmaß habe ich die von mir benötigte Länge genommen und die anderen Maße dazu in Verhältnis gesetzt.

Hier zum Download als pdf
Stattgarter Psalter 158v Maße

 

oben: Abbildung im Stuttgarter Psalter. unten: eigene Schwertscheide

Beim genauen Betrachten der Scheiden fällt auf, dass sie in einem hellen Farbton (beige) abgebildet sind. Wir wissen nicht aus welchem Material die Oberfläche besteht. Es könnte sich also um Leinen oder auch um helles Leder handeln. Als zweites fällt die Wicklung, zum Teil als einfach umlaufende Wicklung, oder auch kreuzweise Wicklung ins Auge. Es könnte sich hier um eine Verzierung, was ich aber nicht glaube, handeln. Für mich dienen diese Wicklungen zur Verstärkung des Holzkerns. Weiter auffällig ist die Führung des Gurtes. Wir sehen zwei Gurte. Einer der durch die Brücke geht, ein weiterer unterhalb davon. Ich habe Experimente mit dieser Art des Schwertgurtes gemacht, bin aber immer noch nicht ganz glücklich mit der Lösung. Deshalb habe ich beschlossen den Gurt in einer anderen Weise unter der Brücke herum zu führen. Jetzt noch ein Wort zu dieser Brücke. Von vielen Fotos im Internet kennt man Brücken, die über der Oberfläche (Leder) liegen und mit zwei Wicklungen an Ort und Stelle gehalten werden. Bei den Abbildungen im Psalter läuft der Lederriemen unter der äußeren Schicht hindurch. Ob sich darunter eine wirkliche Brücke aus Holz befindet, ist nicht zu erkennen. Bei den hochmittelalterlichen Schwertgurten läuft der Riemen nur unter dem Oberflächenleder durch. Meine Vermutung ist, dass es hier auch so ist. Bei meiner Schwertscheide habe ich mich allerding für die Variante mit einer Holzbrücke entschieden.

Aufbau

Die fertige Schwertscheide

Meine Schwertscheide besteht aus einem Holzkern, der mit einem kurz geschorenen und gefetteten Hasenfell ausgekleidet ist. Darum kommt eine Wicklung aus in Leim getränkten Leinenstreifen. Darüber habe ich mich (anders als im Stuttgarter Psalter) für braunes Leder der Stärke 1 – 1,5mm entschieden.

Material:

Holzleisten Nadelholz 40 x 10mm aus dem Baumarkt. (Jeweils 2 längs zusammengeleimt)

2 Hasenfelle in Streifen geschnitten und auf eine Haarlänge von 5mm geschoren

Blankleder 1–1,5mm stark vom Lederversand Berlin http://www.lederversand-berlin.de/

Zur handwerklichen Arbeit werde ich hier nichts schreiben. Jeder der eine solche Schwertscheide bauen will muss sich die Frage selbst stellen, ob er sich die Arbeit zutraut oder nicht. Es ist schon hilfreich keine 2 linke Hände zu haben.

Das war nun meine fünfte selbstgebaute Schwertscheide. Informationen zu den älteren findet ihr hier…