Rechteckmantel

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Prachtmantel

Der Prachtmantel war eine repräsentative Variante des Rechteckmantels, der in der Zeit der Kelten bis zum frühen Mittelalter getragen wurde. Er besteht aus einem rechteckigen feinen Wollstoff. Die Webkanten wurden durch eine am Gewichtswebstuhl angewebte Brettchenborte verstärkt. Der bekannteste Fund dürfte der Prachtmantel aus dem Thorsberger Moor sein.
Informationen zu einem nachgewebten Mantel finden wir bei Marled Marder http://textileflaeche.blogspot.de/2013/11/prachtmantel.html
http://textileflaeche.blogspot.de/2014/01/prachtmantel-nr-2.html

Historische Quellen zum Friesischen Tuch

Bei Ausgrabungen auf der Wurt Hessens stellte man fest, dass dort im Frühmittelalter eine Woll- und Textilproduktion stattfand. Mit diesen Tuchen wurde Handel betrieben. Unter dem Begriff Friesisches Tuch wurden aber nicht nur Gewebe verkauft, die dort hergestellt wurden, sondern es wurde mit auch mit Stoffen gehandelt, die aus fernen Ländern kamen.

Friesisches Tuch in der schriftlichen Überlieferung

Eine Episode aus Einhards Vita Caroli und Notgest Gesta Caroli beschreibt Fränkische Männer, die von den Mäntel der gallischen Krieger beeindruckt waren und diese auch besitzen wollten. Es wird von glänzenden Kriegermäntel gesprochen, die als Pallia fresonica bezeichnet werden. Es wird weiterhin berichtet, dass die Mäntel auf einmal kleinere Abmaße hatten, aber der Preis noch immer gleich blieb. Der Kaiser beschwerte sich, dass man sich im Bett mit den Mäntel nicht zudecken könne und auf dem Pferd nicht gegen Wind und Regen geschützt sei.

Hieraus ist zu erkennen, dass die Pallia schön waren und groß genug um gegen schlechtes Wetter zu schützen. Auch scheint es einen einheitlichen Preis gegeben zu haben.

Notger schildert in einer Episode vom persischen König Harun-al-Raschid. Dieser bekam friesische Tuche zum Geschenk in verschiedenen Farben. Es müssten Tuche in besonderer Wollqualität gewesen sein die im Empfängerland sehr teuer waren.

In einem Brief an den Frankenkönig Pippin I (826/828) werden die Farben der Friesischen Tuche angesprochen.

In einem weiteren Brief den Karl der Große an König Offa von Mercien im Jahr 796 schrieb werden unter anderem auch die Mäntel angesprochen. Es soll Sorge getragen werden, dass diese gleich groß wie in alten Zeiten geliefert werden. Hier wurden also Tuche von England zu den Franken geliefert, die in der Größe zu den früher gelieferten, variierten.

Die Frage nach dem Erzeugungsland der Tuche ist eine umstrittene. Manche Forscher sind der Ansicht, sie wären in England angefertigt und von den friesischen Händlern vertrieben worden. Andere (Häke, Pirenne) behaupten sie wären flandrischen Ursprungs, denn schon bei den Römern gab es dort eine Schafzucht. Vielleicht wurden sie aber auch in Friesland selbst hergestellt.

Mein Rechteckmantel

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Pallium Fresonica. Ansicht von hinten

Mein Mantel / Umhang hat eine Größe von 2 x 1,5m. Er besteht aus einem schweren Wollstoff, der gewalkt wurde. Er ist sehr dicht gewebt. So weit ich erkennen kann Leinwandbindung. Laut Lucia Widmann, bei der ich das Tuch gekauft habe (www.tuchweberey.de) ist der Stoff pflanzengefärbt. Vermutlich mit Indigo.

Nach dem erstmaligen Waschen zu Hause, ist die Farbe dermaßen ausgeblutet, dass ich das Tuch noch mehrmals in der Badewanne mit flüssiger Seife gewaschen und mit klarem Wasser ausgespült habe. Danach wurde die Farbe mit Essigwasser fixiert.

An dem Schnittseiten wurde von mir eine Brettchenborte in den Farben blau, rot und gelb angebracht. Die blauen Randbrettchen haben den gleichen Farbton wie das Tuch. Nach dem Annähen sollte es so aussehen, als ob die Borte angewebt wäre. IMGP0417