Quelle: BIBLIOTHECA AUGUSTANA

Die beiden magischen Sprüche aus vorchristlicher germanischer Zeit wurden im 9. Jahrhundert in einen Kodex des Merseburger Domkapitels, der kirchliche Texte enthält, eingetragen (Cod. 136, S. 85 und 85r). Beide sind in stabreimenden Langzeilen in ostfränkischem Dialekt verfaßt. Der mythologische Hintergrund ist bei beiden Texten bis heute weitgehend ungeklärt.
http://www.hs-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronologie/08Jh/Merseburg/mer_intr.html

Die Merseburger Zaubersprüche
vertont von Kjarni Willison

Originale Handschrift

Eiris sazun idisi sazunheraduoder suma
hapt heptidun sumaherilezidun sumaclu
bodun umbicuonio uuidi insprinc hapt
bandun inuar uigandun· H·
Phol endeuuodan uuorun ziholza du uuart
demobaldares uolon sinuuoz birenkict
thu bigolen sinhtgunt · sunnaerasuister
thu biguolen friia uolla erasuister thu
biguolen uuodan sohe uuolaconda
sosebenrenki sose bluotrenki soselidi
renki ben zibenabluot zibluoda
lid zigeliden sosegelimida sin.

Merseburger_zaubersprueche
Merseburger Zauberspüche

In normalisierter Orthographie

MZ1Eiris sâzun Idisi, sâzun hêra duoder.
suma haft heftidun, suma heri lêzidun,
suma clûbodun umbi cuniowidi:
insprinc haftbandun, infar wîgandun.
MZ2Phôl ende Wuodan fuorun zi holza.
dû wart demo balderes folon sîn fuoz birenkit.
thû biguol en Sinthgunt, Sunna era swister;
thû biguol en Frîja, Folla era swister;
thû biguol en Wuodan, sô hê wola conda:
sôse bênrenki, sôse bluotrenki,
sôse lidirenki:
bên zi bêna, bluot zi bluoda,
lid zi geliden, sôse gelîmida sîn.

Übersetzungen

Quelle: Wikipedia

http://de.wikipedia.org/wiki/Merseburger_Zaubersprüche

Einst setzten sich Idisen,
setzten sich hierher…
Manche hefteten Haft,
manche hemmten das Heer,
Einige zerrten an den Fesseln.
Entspring den Haftbanden,
entfahr den Feinden!
Phol und Wodan ritten ins Holz.
Da ward dem Fohlen Balders der Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt [und] Sunna,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Frija [und] Volla,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Wodan,
wie [nur] er es verstand:
So Knochenrenke wie Blutrenke
Wie Gliedrenke:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, als ob geleimt sie seien!

Quelle: Homepage der Stadt Merseburg

http://www.merseburg.de/index.php?id=956

Einst setzten sich Idisen,
setzten sich hierher…
Manche hefteten Haft,
manche hemmten das Heer,
Einige zerrten an den Fesseln.
Entspring den Haftbanden,
entfahr den Feinden!
Phol und Wodan ritten ins Holz.
Da ward dem Fohlen Balders der Fuß verrenkt.
Da besprach ihn Sinthgunt [und] Sunna,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Frija [und] Volla,
ihre Schwester,
Da besprach ihn Wodan,
wie [nur] er es verstand:
So Knochenrenke wie Blutrenke
Wie Gliedrenke:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Gliedern, als ob geleimt sie seien!

 

Quelle: Universität Wien

http://www.univie.ac.at/skandinavistik/txt/mz.html

‚Zuerst saßen Idise, saßen hier, da, dort (?); einige hefteten Bande (oder: fesselten den Gefangenen), einige hemmten das Heer, einige klaubten (zupften) an den (starken) Fesseln: Entspring den Haftbanden (Fesseln), entflieh (entrinne) den Feinden!‘ ‚Phol und Wuodan zogen ins Gehölz (in den Wald). Da wurde dem Fohlen Balders sein Fuß verrenkt (von Verrenkung betroffen). Da besang ihn (scil. den Fuß) Sinhtgunt mit Sunna, ihrer Schwester; da besang ihn Frija mit Volla, ihrer Schwester; da besang ihn Wuodan, wie er [es] gut konnte. So wie die Knochenrenkung, so wie die Blutrenkung, so wie die Gliedrenkung [zusammengeklebt wurde], – Knochen zu Knochen, Blut zu Blut (Ader zu Ader?), Glied zu den Gliedern -, so seien sie (scil. die vom Unfall betroffenen Entitäten) zusammengeklebt!‘